Geschäftsbericht 2015

Gesamtaussage zur voraussichtlichen Entwicklung des Konzerns

Planungsprozess

Grundsätzlich ist die Unternehmensplanung der Salzgitter AG (SZAG) an den strategischen Zielen ausgerichtet und umfasst unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gleichermaßen unternehmerische Gestaltungsmaßnahmen. Sie bildet die Basis einer realistischen Ergebniseinschätzung, berücksichtigt aber gleichzeitig langfristige Aspekte hinsichtlich Investitionen sowie der Sicherstellung bilanzieller Solidität und finanzieller Stabilität. Die zum Zeitpunkt der Planerstellung herrschenden Markterwartungen als auch die vorgesehenen unternehmerischen Maßnahmen fließen in diese Planung ein, die in einem konzernumfassenden Prozess erstellt wird: Die Einzelziele der Tochterunternehmen werden in einem kombinierten Top-down- und Bottom-up-Ansatz zwischen dem jeweiligen Management, dem Konzernvorstand und den Geschäftsbereichsleitern diskutiert und festgelegt. Alle Einzelplanungen werden schließlich zu einer Konzernplanung konsolidiert. Der aufwändige Planungsprozess des Konzerns wird einmal vor Beginn eines jeden neuen Geschäftsjahres durchlaufen, startet in der Regel im August und endet mit einer Präsentation der Ergebnisse in der letzten Konzern-Aufsichtsratssitzung des jeweiligen Geschäftsjahres. Angesichts der substanziellen Eintrübung der konjunkturellen Aussichten auf den europäischen Stahlmärkten zum Ende des Herbstes 2015 wurde für das Geschäftsjahr 2016 zudem eine zusätzliche Top-down-Ergebnisanpassung eingearbeitet.  

Erwartete Ertragslage

Prognosen zur Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Situation sind schon grundsätzlich, besonders aber im gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Umfeld von hoher Unsicherheit geprägt. Die folgenden zukunftsbezogenen Aussagen zu den einzelnen Geschäftsbereichen unterstellen, dass es in Europa nicht zu einer rezessiven Entwicklung kommen wird. Vielmehr erwarten wir für unsere anhaltend umkämpften Hauptmärkte im laufenden Geschäftsjahr eine moderate konjunkturelle Erholung.

Vor diesem Hintergrund gehen die Geschäftsbereiche von nachstehendem Verlauf des Geschäftsjahres 2016 aus:  

Die Aktivitäten der Gesellschaften des Geschäftsbereiches Flachstahl sind im laufenden Geschäftsjahr äußerst herausfordernden Rahmenbedingungen unterworfen. Die kundenseitigen Forderungen nach Weitergabe der günstigen Rohstoff-Beschaffungspreise einerseits und das seit dem zweiten Halbjahr 2015 stark gestiegene Volumen an Billig-Importen aus China in den europäischen Stahlmarkt andererseits führen zu einem erheblichen Preisdruck. Die mit weitem Abstand größte Gesellschaft der Sparte, die Salzgitter Flachstahl GmbH (SZFG), rechnet ab dem zweiten Halbjahr 2016 – abhängig vom Inkrafttreten von Anti-Dumping-Maßnahmen der Europäischen Union (EU) – mit einer Erlösstabilisierung. Inzwischen sind seitens der EU Anti-Dumping-Maßnahmen für Kaltfeinblech beschlossen worden; ein Entscheid über entsprechende Maßnahmen gegen gedumpte Importe von Warmbreitband und Grobblech wird zur zweiten Jahreshälfte erwartet. Unter der Annahme einer nach wie vor zufriedenstellenden Nachfrage sowie gestützt durch weitere Einsparungen auf der Kostenseite gehen wir von einem im Vergleich zum Vorjahr in etwa stabilen Umsatz und einem geringfügig verschlechterten Vorsteuerergebnis aus. Zu berücksichtigen ist, dass Vorjahresumsatz und -ergebnis von der Neuzustellung eines der Großhochöfen in Salzgitter belastet waren. 

Der Geschäftsbereich Grobblech / Profilstahl ist im laufenden Jahr ebenfalls einem diffizilen Marktumfeld ausgesetzt. Vor allem die Grobblechwalzwerke sind mit einem teilweise ruinösen Preisverfall als Folge der Importflut konfrontiert. Beantragte Anti-Dumping-Maßnahmen für dieses Produktsegment könnten frühestens im zweiten Halbjahr für eine gewisse Entspannung sorgen. Zudem ist die Auslastung der Salzgitter Mannesmann Grobblech GmbH (MGB) in hohem Maße von der Realisierung weiterer Großrohrprojekte abhängig. Für beide Werke sind umfassende Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen erforderlich. Einhergehend mit einer Normalisierung der Schrottpreisentwicklung erwartet die Peiner Träger GmbH (PTG) ein etwas geringeres, jedoch abermals positives Vorsteuerergebnis. Zusammen mit dem Entfall der Verluste aus dem zum Jahresende 2015 eingestellten Geschäftsbetrieb der HSP Hoesch Spundwand GmbH (HSP) wird dies jedoch kaum ausreichen, um das Defizit der Grobblechwalzwerke zu kompensieren. Wir gehen dennoch für den Geschäftsbereich von einer signifikanten Reduzierung des Vorsteuerverlustes aus. Vor allem erlösbedingt, aber auch aufgrund des Entfalls des Spundwandgeschäfts, wird mit einem spürbar geringeren Umsatz gerechnet. 

Die Gesellschaften im Geschäftsbereich Energie agieren 2016 in unterschiedlich ergiebigen Märkten. Die Vergabe von Großprojekten im europäischen Großrohrmarkt hängt auch von geopolitischen Überlegungen ab, weltweit hemmt zudem der niedrige Öl- und Gaspreis die Investitionsbereitschaft der Kunden. Dennoch konnten 2016 bereits erste beschäftigungssichernde Aufträge akquiriert werden. Im Bereich der mittleren Leitungsrohre wird aufgrund der geringen Energiepreise eine weiterhin zurückhaltende Nachfrage erwartet; Kapazitätsanpassungen und Kostensenkungen werden derzeit vorbereitet und sollen im Laufe des Jahres umgesetzt werden. Die Präzisrohrgesellschaften kalkulieren mit einer stabilen Nachfrage der Automobilhersteller, während die Märkte der Produktsegmente Energie und Industrie einem harten Wettbewerb ausgesetzt bleiben dürften. Im Bereich der nahtlosen Edelstahlrohre gehen wir von einer Wiederbelebung aller Produktbereiche im zweiten Halbjahr aus. Schwächere Erlöse werden in Summe zu einem leicht geringeren Umsatz führen, das Vorsteuerergebnis sollte auf Vorjahresniveau auskommen.  

Für 2016 prognostiziert der Geschäftsbereich Handel eine Stabilisierung des Preisniveaus sowie eine Nachfrageerholung. Das internationale Trading erwartet aufgrund der Belebung von Projektvergaben eine Absatzsteigerung. Im lagerhaltenden Handel sollen die Erhöhung der Anarbeitungskapazitäten und die Ausweitung des Kundenstamms im Rahmen der intensiveren Digitalisierung des Vertriebs Wachstumsimpulse liefern. Die ergebnisstützenden Sondereinflüsse aus 2015 werden sich im Geschäftsjahr 2016 nicht wiederholen, was sich in einem deutlich niedrigeren Vorsteuerergebnis widerspiegeln sollte. Um diese Effekte bereinigt, geht der Geschäftsbereich von einem in Summe leicht gesteigerten Umsatz sowie einer merklichen Verbesserung des unterliegenden Ergebnisses aus. Dies wird auch von absehbaren Restrukturierungserfolgen bei der Salzgitter Mannesmann Stahlhandel GmbH (SMSD) und der strategischen Neuausrichtung der Universal Eisen und Stahl GmbH (UES) auf margenstarke Individualgeschäfte gestützt werden.  

Aufsetzend auf einem hohen Auftragsbestand, antizipiert der Geschäftsbereich Technologie eine stabile Umsatz- und Ergebnisentwicklung. Vor dem Hintergrund des andauernd preislich umkämpften Projektgeschäfts soll Wachstum in profitablen Produktsegmenten sowie mithilfe des zusätzlichen Ausbaus des Servicegeschäfts generiert werden, sodass die KHS-Gruppe ein Ergebnis mindestens auf Vorjahresniveau erwartet. Daneben sollen vor allem weitere Effizienzsteigerungen aus dem Programm „Fit4Future 2.0“ positive Wirkung entfalten. Die Aussichten für die Klöckner Desma Schuhmaschinen GmbH (KDS) und die KDE-Gruppe sind ebenfalls vielversprechend.  

Für den Bereich Industrielle Beteiligungen / Konsolidierung, der hauptsächlich von den Kosten für die Management-Holding, stichtagsbezogenen Bewertungseffekten aus Devisen- und Derivatepositionen, den Ergebnissen hier erfasster Dienstleistungsunternehmen sowie der weiteren Beteiligungen inklusive der Aurubis AG (NAAG) geprägt ist, wird ein etwa ein Drittel unterhalb des vergleichsweise hohen Vorjahresniveaus auskommendes Vorsteuerresultat unterstellt. 

  • Vor dem Hintergrund der aktuellen Verhältnisse besonders im Walzstahl- und Röhrenmarkt, unter Berücksichtigung weiterer positiver Effekte des Konzernprogramms „Salzgitter AG 2015“ sowie aus zusätzlichen unternehmensindividuellen Maßnahmen gehen wir für den Salzgitter-Konzern im Jahr 2016 von einem annähernd stabilen Umsatz von rund 8,6 Milliarden Euro, 
  • einem operativ in etwa ausgeglichenen Vorsteuerergebnis – abhängig von der zeitlichen Wirkung von Anti-Dumping-Maßnahmen und vor Einmalaufwand für punktuelle, strukturverbessernde Maßnahmen im Konzern – sowie
  • einer knapp positiven Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) aus.


Wie schon in den vergangenen Jahren weisen wir darauf hin, dass Chancen und Risiken aus aktuell nicht absehbaren Erlös-, Vormaterialpreis- und Beschäftigungsentwicklungen sowie Veränderungen von Währungsparitäten den Verlauf des Geschäftsjahres 2016 erheblich beeinflussen können. Die hieraus resultierende Schwankungsbreite des Konzernergebnisses vor Steuern kann – wie die aktuellen Ereignisse zeigen – ein beträchtliches Ausmaß sowohl in negativer als auch positiver Richtung annehmen. Die Dimension dessen wird deutlich, wenn man unterstellt, dass bei rund 12 Mio. t abgesetzten Stahlerzeugnissen der Geschäftsbereiche Flachstahl, Grobblech / Profilstahl, Energie und Handel im Schnitt 10 € Margenveränderung pro Tonne bereits ausreichen, um 120 Mio. € jährliche Ergebnisvarianz zu verursachen. Darüber hinaus begrenzen volatile Rohstoffkosten sowie kürzere Vertragslaufzeiten auf der Beschaffungs- genauso wie auf der Absatzseite die Planungssicherheit des Unternehmens.  

Erwartete Finanzlage

 Unsere liquiden Mittel werden zu einem Teil zur Finanzierung der vor allem im Stahl- und Technologie-Bereich in Realisierung befindlichen Investitionen genutzt. Daneben erwarten wir Abflüsse aus der Inanspruchnahme in Vorjahren gebildeten Rückstellungen für strukturverbessernde Maßnahmen und Steuern. Wir halten es nach wie vor für unverzichtbar, einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag an liquiden Mitteln vorzuhalten, um bei Verschärfung des Umfeldes nicht kurzfristig Geld am Kapitalmarkt aufnehmen zu müssen. 

Das Investitionsbudget unseres Konzerns für das Geschäftsjahr 2016 wurde auf 306 Mio. € festgelegt. Der zahlungswirksame Teil des Budgets 2016 dürfte zusammen mit dem Nachlauf bereits in Vorjahren genehmigter Investitionen etwa 346 Mio. € (Vorjahr 411 Mio. €) betragen. Die effektive Auslösung der Investitionen erfolgt – wie bisher – sukzessive und im Einklang mit der Ergebnis- und Liquiditätsentwicklung. 

Der Finanzmittelbedarf des Geschäftsjahres 2016 für absehbare investive Maßnahmen wird sich leicht unterhalb der Abschreibungen bewegen, sodass eine unternehmensinterne Finanzierung gegeben ist. Die Finanzlage unseres Konzerns sollte sich insbesondere unter Berücksichtigung der in den letzten Jahren umgesetzten Kapitalmarktmaßnahmen auch zum Ende des Geschäftsjahres 2016 als vergleichsweise solide erweisen. Externe Finanzierungsmaßnahmen werden mit Blick auf die Nutzung attraktiver Platzierungsbedingungen kontinuierlich geprüft.  

Die Höhe der Dividende wird sich weiterhin an der Gewinnentwicklung orientieren. Die branchenüblichen zyklischen Schwankungen schlagen sich naturgemäß einerseits in den Ergebnissen der Gruppe, andererseits im Aktienkurs nieder. Der Einzelabschluss der Salzgitter AG (SZAG) ist für die Ausschüttungsfähigkeit maßgeblich. Der Salzgitter-Konzern verfolgt grundsätzlich eine Politik kontinuierlicher attraktiver Dividendenzahlungen, die unter der Prämisse tatsächlicher operativer Gewinnerzielung außerhalb von volatilen Stichtagseinflüssen geleistet werden sollen. Dabei muss sich die Zyklizität der Ergebnisentwicklung nicht in vollem Umfang niederschlagen. Vor dem Hintergrund des gegenwärtig zu erwartenden Branchenumfelds und der Ergebnisabhängigkeit der SZAG von ihren Tochtergesellschaften wird für das Geschäftsjahr 2016 ein Bilanzgewinn in etwa auf Vorjahresniveau erwartet.  

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass der Salzgitter-Konzern mit seiner breiten Aufstellung und soliden finanziellen Fundierung für herausfordernde Phasen vergleichsweise gut gerüstet ist. Hierauf werden wir auch künftig großen Wert legen.