Geschäftsbericht 2015

Schutz der Umwelt

Die Rolle der Stahlindustrie im europäischen Emissionsrechtehandel
Unter klimapolitischen Gesichtspunkten war das Jahr 2015 – basierend auf den EU-Ratsbeschlüssen des 23. Oktober 2014 – von den Diskussionen rund um den Vorschlag der EU-Kommission zur weiteren Ausgestaltung des europäischen Emissionsrechtehandels ab 2021 gekennzeichnet. Der stahlerzeugenden und -verarbeitenden Industrie würde dieser Vorschlag drastische Kürzungen der zum Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit notwendigen kostenfreien Zuteilung der Emissionszertifikate bringen. Ohne eine merkliche Nachjustierung im weiteren Rechtsetzungsverfahren durch EU-Rat und -Parlament kann dies für die europäische Stahlproduktion existenzbedrohenden Charakter annehmen.

Daher weist der Salzgitter-Konzern – gemeinsam mit anderen Stahlunternehmen und energieintensiven Branchen – auf allen politischen Ebenen mit konstruktiven Vorschlägen auf notwendige Nachbesserungen bei der anstehenden Novellierung der Emissionshandelsrichtlinie hin. In dem Zusammenhang heben wir stets hervor, dass unsere Stahlerzeugungsverfahren die physikalisch-chemischen Prozessgrenzen bereits erreicht haben und neue – derzeit weder bekannte noch gar erprobte – Technologien, die im industriellen Maßstab zu signifikanten Emissionsminderungen führen könnten, jedenfalls nicht vor 2030 zur Verfügung stehen werden. Deshalb fordert die Stahlindustrie in Europa insbesondere eine benchmarkbasierte kostenfreie Zuteilung, die sich vollumfänglich und zu jedem Zeitpunkt an dem im industriellen Maßstab technisch Machbaren orientieren muss. Die Regelungen sind so festzulegen, dass den besten Anlagen der energieintensiven europäischen Industrien keinerlei Zusatzkosten entstehen.

Wir kritisieren vor allem die von der EU-Kommission vorgesehene weitere pauschale Abschmelzung der Benchmarks und fordern den Verzicht auf einen nochmals zuteilungsmindernden Korrekturfaktor. Zudem muss endlich die ökologisch sinnvolle Nutzung der während der Stahlerzeugungsprozesse entstehenden Kuppelgase sachgemäß und rechtskonform bei der Festsetzung der Benchmarks berücksichtigt werden. Denn wenn das Emissionshandelssystem Minderungsverpflichtungen für Industrien wie Stahl vorsieht, denen keine entsprechenden technischen Minderungsoptionen gegenüberstehen, würde dies letztlich zu nichts anderem als einer zusätzlichen Produktionsbesteuerung führen. Nur falls es in Europa möglich ist, die Grundlage des Wohlstands bildende industrielle Wertschöpfung ohne Abstriche zu erhalten, kann es aus unserer Sicht gelingen, dem europäischen Klimaschutzbeitrag ebenfalls zum Erfolg zu verhelfen. Ansonsten drohen Verlagerungen von Produktionskapazitäten in der Grundstoffindustrie, was weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnstiftend wäre.

Systematisches Energiemanagement der Salzgitter AG
Seit April 2015 ist in Deutschland das geänderte Gesetz über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen (EDL-G) in Kraft. Das bedeutete für eine Vielzahl von Unternehmen, dass sie bis Ende 2015 ein Energie-Audit durchführen mussten, mit dem bestehende Energieverbräuche erfasst und mögliche Verbesserungspotenziale skizziert wurden. Ausnahmen davon waren möglich, wenn ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach ISO 50001 bereits vorlag oder sich in Einführung befand. Die Salzgitter AG (SZAG) hat den dafür notwendigen Prozess systematisch und zielorientiert aufgelegt und gemanagt. Dabei hat sich erneut gezeigt: Bereits heute sind mehr als 95 % aller Energieverbräuche des Konzerns in Deutschland von einem hochwertigen ISO-50001-System erfasst. Es ist die Basis unseres konzernübergreifenden Forums für Energiemanagement, das die Energiebeauftragten der Konzerngesellschaften zu einem regelmäßigen Austausch über energetische Optimierungen und Maßnahmen nutzen. Auf einer daraus abgeleiteten Wissensplattform stellen die Konzerngesellschaften einander Informationen zu mehr als 750 Energieeffizienzmaßnahmen bereit, um gegenseitig von den Erfahrungen zu lernen.

Salzgitter Flachstahl GmbH im Umweltschutz gut aufgestellt
Die Umsetzung der novellierten EU-Industrieemissionsrichtlinie zur integrierten Vermeidung und Verminderung von Umweltverschmutzung hat dazu geführt, dass im deutschen Recht „Umweltinspektionen“ eingerichtet worden sind. Bei der Salzgitter Flachstahl GmbH (SZFG) fallen alle größeren Anlagen (wie zum Beispiel Kokerei, Sinteranlage, integriertes Hüttenwerk und Warmbreitbandwalzwerk) unter diese Regelung. Die jeweils eintägigen Inspektionen finden jährlich statt und werden vom Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz durchgeführt. Alle bisher 2014 und 2015 nach dieser strengen Norm abgewickelten Umweltinspektionen wurden bestanden. Dies ist ein weiterer Beleg für die hohen Umweltstandards, die unsere Stahlproduktion in Salzgitter erfüllt.

Weiteres Best Practice Label Energieeffizienz
Die SZFG hat 2015 das Best Practice Label „Energieeffizienz für die energieeffiziente Rohstahlgewinnung“ erhalten. Nach dem Gewinn des Energy Efficiency Awards 2013 und dem Best Practice Label Energieeffizienz für die energieeffiziente Roheisengewinnung in 2014 ist dies nun die dritte Auszeichnung von der Deutschen Energieagentur (dena), mit der das Energiemanagement der SZFG belohnt wurde. Die aktuelle Auszeichnung würdigt die Optimierung zur Konvertergasgewinnung im Stahlwerk, die durch die Gefäßerneuerung des Konverters A, ein optimiertes Regelungskonzept sowie ein intensiveres internes Monitoring erreicht wurden. Aufgrund der Maßnahmen können jährlich rund 15 GWh Energie zusätzlich zurückgewonnen werden. Dies entspricht dem Wärmebedarf von 7.500 Haushalten.

Steigerung der Energieeffizienz: ein fortwährender Prozess
Energieeffizienz erfordert die konsequente Erfassung und Umsetzung wirtschaftlicher Maßnahmen und fängt mit der Generierung von Ideen im Kopf an. Beispielhaft genannt seien hier technische Verbesserungen bei der Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH (MLP) im Jahr 2015: Eine bereits bestehende Rückgewinnung von Kompressorenabwärme wird jetzt zum Beheizen eines Gebäudetrakts mit Betriebsbüros in Siegen genutzt. Weitere Effizienzsteigerungen wurden durch den Austausch gasbetriebener Deckenstrahler gegen wirkungsvollere Strahlungsheizungen sowie die Nachrüstung der Heizungssteuerungen erzielt. Durch Anlagenoptimierungen an der Wasserdruckprüfpresse im Werk Siegen auf Basis frequenzgeregelter Antriebe wurde zudem eine Reduzierung des bisherigen Stromverbrauchs für den Speicherfüllprozess um 50 % erreicht. Einen weiterhin sehr positiven Effekt auf die Gebäudeenergieverbräuche hatte auch der Austausch der Hallenbeleuchtungen in Teilen der Produktion an den Standorten Siegen und Hamm: Mittels Neueinbaus hocheffizienter Leuchtstoffröhren respektive einer LED-Beleuchtung sowie der Nachrüstung von Dämmerungsschaltern in Außenbereichen konnte der Strom-verbrauch bei signifikant verbesserter Arbeitsplatzausleuchtung nachhaltig gesenkt werden.

Produkte und Beratungsleistungen der KHS: mehr Energieeffizienz für unsere Kunden
Die KHS hat ihr Leistungsspektrum konsequent mit dem Ziel ausgebaut, die Energieeffizienz bei der Nutzung ihrer Produkte durch den Kunden weiter zu steigern. So kann jetzt aufgrund der Umstellung der Maschinensteuerung an den Pack- und Palettiermaschinen auf „SIMOTION mit Active Line Module“ eine 35%ige Energieeinsparung realisiert werden. Der Umbau der Streckblasmaschinen der Blomax–Serie III bewirkt zudem eine Reduktion des Druckluftverbrauchs von ebenfalls etwa 35 %, da die Druckluft nicht wie üblich in die Umgebung abgegeben, sondern über eine spezielle Airback-Ringleitung in den Prozesskreislauf zurückgeführt und wiederverwendet wird. Derart wichtige Produktinnovationen sparen Energie, schonen die Umwelt und stärken die Wirtschaftlichkeit während der Nutzungsphase. Für die weitere Verbesserung dieser systematischen Herangehensweise bietet die KHS-Gruppe daher Anlagen- und Maschinen-Audits sowie Optimierungen an, um zusätzliche Ressourceneinsparungen beim Kunden zu ermöglichen. Weitere Informationen enthält der erstmalig im August 2015 veröffentlichte Nachhaltigkeitsbericht der KHS GmbH.

Umweltschutz in Zahlen
Im Geschäftsbereich Flachstahl betrugen die laufenden Umweltschutzaufwendungen 2015 rund 141 Mio. €; im Geschäftsbereich Grobblech / Profil-stahl wurden rund 26 Mio. € aufgewendet. Die Aufwendungen für den Umweltschutz der inländischen Gesellschaften des Geschäftsbereiches Energie (ohne Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH [HKM]) beliefen sich auf etwa 7 Mio. €. Sie verteilen sich wie in den Grafiken dargestellt: 

Umweltschutzaufwendungen Geschäftsbereich Flachstahl

Umweltschutzaufwendungen Geschäftsbereich Grobblech / Profilstahl

Umweltschutzaufwendungen inländischer Gesellschaften Geschäftsbereich Energie (ohne HKM)