Unternehmensbereich Stahl

    Q2 2013 Q2 2012 H1 2013 H1 2012
Auftragseingang Tt 1.352,5 1.283,3 2.740,6 2.841,4
Auftragsbestand per 30.06. Tt     1.064,6 1.073,1
Rohstahlerzeugung Tt 1.450,0 1.516,3 2.983,1 3.012,9
LD-Stahl (SZFG) Tt 1.110,0 1.155,9 2.262,7 2.272,6
Elektro-Stahl (PTG) Tt 340,0 360,4 720,3 740,3
Walzstahlproduktion Tt 1.420,9 1.400,5 2.919,0 2.850,1
Versand Tt 1.456,2 1.480,5 2.978,0 2.942,4
Segmentumsatz1) Mio. € 960,9 992,5 1.974,1 2.027,4
Außenumsatz Mio. € 663,9 682,0 1.334,4 1.406,8
Ergebnis vor Steuern (EBT) Mio. € -226,8 -46,2 -260,5 -97,8
1) inklusive Umsatz mit anderen Unternehmensbereichen
Der Unternehmensbereich Stahl steht mit seinen Marken- und Spezialstählen in besonderem Maße für die Kernkompetenz unseres Konzerns. Die sechs operativen Gesellschaften des Segments produzieren an den Standorten Salzgitter, Peine, Ilsenburg und Dortmund eine breite Palette von Stahlerzeugnissen (Flachstahl und Profile, Grobbleche, Spundwände, Bauelemente sowie Tailored Blanks). Das Produktprogramm ist speziell bei Flachprodukten auf hochwertige Stahlgüten und -qualitäten ausgerichtet, die für anspruchsvolle Anwendungen eingesetzt werden.

Absatz- und Beschaffungsmarktsituation

Die Dynamik des globalen Stahlmarktes blieb in den ersten sechs Monaten des Jahres 2013 insgesamt verhalten. Die weltweit produzierte Rohstahlmenge legte um lediglich 2 % zu. Hierbei wuchs die Erzeugung in Asien mit 5,5 %, im Rest der Welt nahm sie jedoch spürbar ab. So wurden in der Europäischen Union (EU) und in Nord- und Südamerika jeweils rund 5 % weniger Rohstahl erzeugt als in der Vorjahresperiode.

Der europäische Stahlmarkt befand sich im Berichtszeitraum infolge der europäischen Wirtschafts- und Finanzkrise noch immer im Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage. Nach einer lagerzyklisch bedingten Erholung im ersten Vierteljahr 2013 flaute die Nachfrage während des zweiten Quartals wieder spürbar ab. Dies manifestierte sich auch in fallenden Erlösen. Zentrale Ursache für die äußerst unbefriedigende Situation ist nach wie vor die ausgeprägte Unterauslastung von Herstellern in südeuropäischen Ländern. Da notleidende Unternehmen weiterhin sowohl von den lokalen Banken als auch von der Politik unterstützt werden, kam es bisher nicht zu den notwendigen Kapazitätsanpassungen. Die daraus resultierende Überversorgung hatte gravierende Auswirkungen auf das Preisgefüge des gesamten europäischen Marktes. Einziger schwacher Lichtblick ist, dass die EU für Importe aus Drittländern weiterhin nicht attraktiv ist.

Im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern ist die Verfassung des Stahlmarktes in Deutschland noch immer vergleichsweise robust. So war die Mengenkonjunktur der deutschen Stahlindustrie mit einer Kapazitätsauslastung von effektiv 85 % im ersten Halbjahr in Anbetracht der äußeren Umstände relativ solide. Die deutsche Pkw-Inlandsproduktion ging im Berichtszeitraum trotz der Schwäche des westeuropäischen Marktes nur um 3 % auf gut 2,7 Mio. Einheiten zurück. Auch die deutsche Bauwirtschaft ist als größter stahlverarbeitender Sektor in guter Verfassung und nach den witterungsbedingten Produktionsrückgängen zu Beginn des Jahres auf einem moderaten Wachstumskurs. Allerdings gestaltet sich die wirtschaftliche Lage der inländischen Stahlbranche angesichts unauskömmlicher Erlöse bei weiterhin hohen und volatilen Rohstoffkosten außerordentlich schwierig.

Insgesamt wird das Marktgeschehen wegen der konjunkturellen Lage von extrem vorsichtigem Dispositionsverhalten und dem Streben nach minimalen Lagerbeständen bei Stahlverarbeitern und -händlern geprägt.

Volatiler Spotmarkt sorgt für starke Schwankungen bei Erzpreisen

Am Weltmarkt für Eisenerz haben sich seit 2012 unterschiedliche Preismodelle mit verschiedenen Referenzperioden etabliert. Überwiegend ist die Spotmarkt-Preisentwicklung in China die ausschlaggebende Bezugsgröße. Nachdem die Spotpreise für Eisenerz im dritten Quartal 2012 regelrecht einbrachen, war seit Beginn des vierten Quartals eine spürbare Gegenbewegung zu verzeichnen. Bedingt durch niedrige Lagerbestände in den Häfen und eine konstant hohe Stahlproduktion in China zogen die Notierungen Ende Februar auf 160 USD/dmt an und erreichten damit ein Niveau, welches zuletzt im Oktober 2011 gesehen worden war. Ab März setzte ein deutlicher Abwärtstrend ein. Die beschriebene Entwicklung führte für die Leitsorte Carajas Feinerz im „alten“ VALE-Modell, dessen Preisbildung auf den Spot-Notierungen des Vorquartals minus einem Monat basiert, zu Preisen von 91,06 USD/dmt im ersten Vierteljahr 2013, 125,58 USD/dmt im zweiten und 114,61 USD/dmt im dritten Quartal (alle Preise auf Basis FOB Brasilien).

Starker Abschwung auf dem Kokskohlemarkt

Im Gegensatz zur indexgeprägten Preisbildung am Erzmarkt werden Quartalspreise für Kokskohle mit Benchmark-Charakter weiterhin zwischen großen Produzenten und Abnehmern verhandelt. Die Lage auf dem Kokskohlemarkt hat sich mittlerweile nach den Überschwemmungen und mehrmonatigen Streiks der vergangenen Jahre in Australien weitestgehend entspannt. Die Preise für qualitativ hochwertige Kokskohle gaben merklich nach und sanken von 170 USD/t FOB im vierten Quartal 2012 auf 165 USD/t FOB in den ersten drei Monaten 2013. Für das zweite Quartal handelten Nippon Steel und BHP Billiton einen Preis von 172 USD/t aus, der aber von wesentlichen Kundengruppen als nicht marktkonform eingestuft wurde und keine flächendeckende Akzeptanz gefunden hat. Im April kam es verstärkt zu individuellen, bilateralen Preisvereinbarungen zwischen Produzenten und Abnehmern. Je nach Qualität und Zeitpunkt der Abschlüsse lagen die Preise für das Premium-Segment zwischen 161 und 169 USD/t FOB. Für das dritte Quartal 2013 wurde ein Benchmarkpreis von 145 USD/t FOB für qualitativ hochwertige Kohlesorten festgelegt.

Preisschwankungen bei Metallen und Ferro-Legierungen

Die internationalen Märkte für Metalle und Legierungen gaben im ersten Halbjahr 2013 ein sehr unterschiedliches Bild ab: Während die Preise für Massenlegierungen auf Manganbasis stabil waren, zeigten sich börsennotierte Stoffe wie Zink, Nickel, Kupfer und Aluminium sehr volatil. Nachdem die Notierungen in den ersten drei Monaten 2013 zunächst leicht anzogen, gaben sie im zweiten Quartal kräftig nach.

Sinkende Stahlschrottpreise

Während sich die Preise auf dem deutschen Stahlschrottmarkt zu Jahresbeginn bei einer relativ guten Nachfrage nahezu stabil zeigten, reduzierten die deutschen Stahlwerke ihre Einkaufspreise im Februar 2013 um 10 bis 25 €/t. Die Marktschwäche setzte sich im zweiten Quartal fort und zog einen weiteren Preisverfall nach sich. Hauptursachen waren die insgesamt rückläufige Stahlproduktion sowie infolge des ungünstigen Euro-Wechselkursverhältnisses fehlende Exportmöglichkeiten.

Vor diesem Hintergrund entwickelte sich der Unternehmensbereich Stahl wie folgt:

Die Auftragseingänge der Stahlgesellschaften gingen gegenüber der Vergleichsperiode insgesamt zurück. In der Detailbetrachtung zeigte sich allerdings ein uneinheitliches Bild: So entwickelte sicher der Orderzulauf bei Grobblech und Spundwänden positiv, bei Flachstahl in etwa stabil, im Langstahlbereich regressiv. Der Auftragsbestand erreichte die Vorjahrestonnage, während Walzstahlproduktion und Versand die entsprechenden Werte geringfügig übertrafen. Die Rohstahlerzeugung war infolge des schwachen Trägergeschäfts leicht rückläufig. Segment- und Außenumsatz unterschritten die Werte des ersten Halbjahres 2012 aufgrund der unbefriedigenden Erlösentwicklung sämtlicher Produkte. Von den 75,5 Mio. € operativen Vorsteuerverlust sind allein rund 60 % der Peiner Träger GmbH (PTG) zuzurechnen. Auch die Salzgitter Flachstahl GmbH (SZFG) und die HSP Hoesch Spundwand und Profil GmbH (HSP) wiesen negative Resultate vor Steuern aus, während die Ilsenburger Grobblech GmbH (ILG) einen geringfügigen Verlust verzeichnete. Darüber hinaus wurden 185,0 Mio. € Abschreibungen des Anlagevermögens (Impairment) bei der PTG vorgenommen, entsprechend kam das Segmentergebnis vor Steuern bei –260,5 Mio. € aus (1. Halbjahr 2012: –97,8 Mio. €).

Segmentumsatz

EBT

Weiterführende Erläuterungen zu den Einzelgesellschaften:

Der Flachstahlmarkt war im ersten Halbjahr 2013 von einer soliden Mengenentwicklung und einem nur moderaten Lagerzyklus geprägt. Die allgemeine konjunkturelle Lage in weiten Teilen Europas mit temporären Unterauslastungen der Kapazitäten vor allem in Südeuropa resultierte im Zusammenspiel mit den rückläufigen, aber immer noch hohen Rohstoffkosten in einem unbefriedigenden Erlösniveau. Aufwärtsgerichtete Preistendenzen zu Beginn des Jahres sowie im zweiten Quartal erwiesen sich als nicht nachhaltig, sodass die Durchschnittserlöse deutlich unterhalb der Vergleichswerte der Vorperiode lagen.

Die Auftragseingänge der Salzgitter Flachstahl GmbH (SZFG) kamen im ersten Halbjahr 2013 auf dem guten Vorjahresniveau aus; der Auftragsbestand war sogar leicht höher. Die Rohstahlproduktion erreichte annähernd den Vergleichswert des Vorjahreszeitraumes; die Versandleistung profitierte von der guten Auftragslage und erreichte mit einem deutlichen Zuwachs ein neues Allzeithoch. Im Gegensatz zur guten Mengenentwicklung standen die Verkaufspreise wegen des negativen EU-Marktumfelds unter Druck. Der Abwärtstrend der Erlöse im Laufe der ersten drei Monate ging in eine Stagnation während des Folgequartals über. Der Umsatz reduzierte sich – trotz der Erlöseinbußen– aufgrund des gesteigerten Absatzes nur marginal. Die SZFG erzielte somit den drittbesten Periodenumsatz ihrer Historie. Dabei wies sie erneut ein negatives Halbjahresergebnis vor Steuern aus, das sich aber gegenüber dem Vergleichszeitraum aufgrund temporär verminderter Rohstoffkosten spürbar verbesserte.

Der Quartoblechmarkt war während des ersten Halbjahres 2013 von den Auslastungsproblemen der europäischen Grobblechwerke geprägt. Demzufolge herrschte ein hoher Wettbewerbsdruck, der einen anhaltend starken Preiskampf zur Folge hatte. Im internationalen Geschäft wurde eine rege Anfrageaktivität verzeichnet, die sich aber angesichts des aggressiven Preiswettbewerbs europäischer und asiatischer Produzenten nicht in stärkeren Auftragsbuchungen niederschlug.

Vor diesem Hintergrund akquirierte die Ilsenburger Grobblech GmbH (ILG) in den ersten sechs Monaten des Jahres 2013 zwar eine höhere Auftragsmenge und wies einen zum Vorjahreszeitraum gesteigerten Auftragsbestand und Versand aus. Jedoch ließ das niedrigere Erlösniveau den Umsatz hinter den Vergleichswert zurückfallen. Ungeachtet gesunkener Vormaterialpreise sowie reduzierter Verarbeitungskosten war das Ergebnis vor Steuern leicht negativ.

Zu Jahresbeginn war die Auslastung der Trägerproduzenten aufgrund einer erheblichen Bestellzurückhaltung schwach. Der lagerhaltende Handel hatte sich zum Ende des Jahres 2012 mit Mengen versorgt, die zum großen Teil erst Anfang 2013 ausgeliefert wurden. Die reale Nachfrage in Kerneuropa brach im Frühjahr weiter deutlich ein, da Bauinvestoren aufgrund der unklaren wirtschaftlichen Situation die Projektvergabe deutlich einschränkten. Erst im April verstärkte sich die Ordertätigkeit. Mit dieser Belebung ging jedoch ein intensiver Preiswettbewerb einher, der vor allem von südeuropäischen Produzenten forciert wurde.

Orderzulauf sowie Auftragsbestand der Peiner Träger GmbH (PTG) blieben in der Berichtsperiode wegen des Nachfrageeinbruchs im Trägergeschäft deutlich unterhalb der Vorjahreswerte. Aus diesem Grund konnten die verfügbaren Kapazitäten nicht vollständig ausgelastet werden und die Rohstahl- und Walzstahlproduktion verminderte sich. Infolge erhöhter konzerninterner Brammenlieferungen und Verzögerungen von Auslieferungen aus dem Jahr 2012 blieb der Absatz stabil. Der Umsatz lag wegen der katastrophalen Erlössituation unter dem Vorjahresniveau. Die Peiner Träger GmbH (PTG) verzeichnete einen der höchsten operativen Halbjahresverluste ihrer Unternehmensgeschichte. Zusätzlich hat die Überprüfung der Werthaltigkeit des Vermögens der PTG ergeben, dass Abschreibungen des Anlagevermögens (Impairment) in Höhe von 185,0 Mio. € vorgenommen werden müssen.

Der weltweite Spundwandmarkt ist noch immer ohne Impulse, da politische Instabilitäten in einigen Ländern mit einer allgemeinen wirtschaftlichen Zurückhaltung einhergehen. Notwendige Sanierungsmaßnahmen und Investitionen in Hafenausbauten bleiben deshalb vielerorts aus. Der deutsche Spundwandmarkt befindet sich in extremer Abhängigkeit von der Investitionstätigkeit der öffentlichen Haushalte, deren Ausgabepolitik wegen Finanzmittelknappheit limitiert ist. Projekte zum Neu- und Ausbau der Wasserbauinfrastruktur werden daher zurückgestellt. Die letzte Hochwasserkatastrophe führt immerhin zu einer beschleunigten Vergabepolitik und der Realisierung von längst überfälligen Sicherungsmaßnahmen. Inwieweit diese Entwicklung aber nachhaltig ist, bleibt abzuwarten.

Die HSP Hoesch Spundwand und Profil GmbH (HSP) verzeichnete ausgehend von einem niedrigen Niveau einen gegenüber dem Vorjahreszeitraum verbesserten Auftragseingang und -bestand. Höhere Absatzmengen hatten eine Umsatzausweitung zur Folge. Wegen weiterhin unauskömmlicher Erlöse erwirtschaftete die HSP einen Verlust, der sich aber gegenüber der Vorjahresperiode reduzierte.

Obgleich die Witterungseinflüsse, welche im ersten Quartal 2013 wesentlich zur schlechten Beschäftigungslage der Baubranche beitrugen, nicht mehr direkt wirkten, war ein genereller Verzug im Baufortschritt der Projekte und damit auch der Abnahme der Produkte der Salzgitter Bauelemente GmbH (SZBE) zu verzeichnen. Der Wettbewerbsdruck aus den östlichen Anrainerstaaten hielt unvermindert an. Zwar war der Absatz gegenüber dem Vorjahr leicht höher, aber infolge niedrigerer Erlöse blieb der Umsatz unterhalb des Vorjahreswertes. Die SZBE erzielte ein ausgeglichenes Ergebnis vor Steuern.

Im ersten Halbjahr 2013 sanken die deutschen Pkw-Neuzulassungen verglichen zum Vorjahr spürbar. Auch die Exporte in die Eurozone waren erheblich rückläufig. Dementsprechend erreichten Versand, Umsatz und der Vorsteuergewinn der Salzgitter Europlatinen GmbH (SZEP) nicht ganz die Vorjahreswerte.