Erwartete Ertragslage
Grundsätzlich ist die Unternehmensplanung der Salzgitter AG an den strategischen Zielen ausgerichtet
und umfasst unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eigene unternehmerische
Gestaltungsmaßnahmen. Sie bildet somit die Grundlage einer realistischen Ergebniseinschätzung,
berücksichtigt aber gleichzeitig auch langfristige Aspekte hinsichtlich Investitionen sowie der Sicherstellung
bilanzieller und finanzieller Stabilität – auch unter schwierigeren Bedingungen. Daher fließen
unsere zum Zeitpunkt der Planerstellung herrschenden Markterwartungen sowie die vorgesehenen
unternehmerischen Maßnahmen in diese Planung ein. Sie wird von uns in einem konzernumfassenden
Prozess erstellt, der vor Beginn des neuen Geschäftsjahres abgeschlossen wird. Die Einzelziele
der Tochterunternehmen werden in einem kombinierten Top-down- und Bottom-up-Ansatz zwischen
dem jeweiligen Management und dem Konzernvorstand diskutiert und festgelegt. Alle Einzelplanungen
werden schließlich zu einer Konzernplanung konsolidiert. Der dabei zugrunde gelegte Konzern-
Perimeter entspricht zwangsläufig dem Status quo und kann von der am Ende des Planungszeitraums
erreichten Konzernstruktur abweichen. Der sehr aufwendige Planungsprozess des Konzerns wird einmal
vor Beginn eines jeden neuen Geschäftsjahres durchlaufen, fängt in der Regel im August an und
endet mit der Präsentation der Erkenntnisse in der letzten Konzern-Aufsichtsratssitzung des jeweiligen
Geschäftsjahres.
Da sich die Beschäftigungsaussichten der wichtigen stahlverarbeitetenden Branchen auf dem erholten Niveau des zweiten Halbjahres 2009 stabilisiert haben und sich auch die Bestellungen des lagerhaltenden Handels angesichts der Ergänzung von Sortimentslücken belebt haben, plant der Unternehmensbereich Stahl im Geschäftsjahr 2010 wieder mit höheren Auftragseingängen. Auf dieser Basis sollte auch der Versand von Walzstahl und weiterverarbeiteten Erzeugnissen bei allen Gesellschaften des Segments zulegen. Im Zusammenwirken mit gleichzeitig ansteigenden Absatzpreisen erwartet der Stahlbereich eine Umsatzerholung. Nachdem die Beschaffungskosten für Erze und Kohle 2009 deutlich sanken, wird 2010 wieder mit einer Verteuerung gerechnet. Die Herstellkosten werden voraussichtlich insgesamt zulegen. Somit dürften sich die tonnenspezifischen Roherträge nicht automatisch verbessern. Die Stahlgesellschaften prognostizieren für das von verhaltenen Aussichten gekennzeichnete Jahr 2010 in Summe ein etwa ausgeglichenes Ergebnis, das aber keinesfalls als gesichert betrachtet werden kann. Die Salzgitter Flachstahl GmbH (SZFG) kann in die Gewinnzone zurückkehren, wobei hierfür vor allem die nachhaltige Stabilisierung der Auslastung ausschlaggebend ist. Die Ilsenburger Grobblech GmbH (ILG) unterstellt aufgrund der zu erwartenden Erlösentwicklung ein rückläufiges, aber dennoch positives Resultat. Infolge der erst mittelfristig avisierten Erholung des Trägermarktes rechnet die Peiner Träger GmbH (PTG) hingegen erneut mit einem Verlust, wenn auch spürbar verringert. Der Unternehmensbereich Handel plant 2010 mehr Stahl abzusetzen, was vor allem auf Absatzsteigerungen des internationalen Tradings beruhen wird. Die Versandausweitung und verbesserte Margen sollten zu einem positiven Resultat führen. Bei einem sinkenden durchschnittlichen Erlösniveau, das im Vorjahr noch von Altaufträgen aus der Boomphase beeinflusst wurde, geht der Unternehmensbereich Röhren von einer substanziellen Reduzierung der Ergebnisse aus. Ein in etwa ausgeglichenes Vorsteuerergebnis sollte erzielbar sein, sofern sich Rohstoffpreisanhebungen nicht zu stark auf die Rentabilität von Großprojekten auswirken. Der Gewinn des Großrohrbereiches wird signifikant abnehmen, da die prognostizierten Erlösrückgänge bei vergleichsweise guter Auslastung nicht kompensiert werden können. Die Präzisrohrgesellschaften rechnen vor dem Hintergrund einer besseren Beschäftigungssituation mit einer deutlichen Verminderung des Vorsteuerverlustes. Im Bereich der nahtlosen Edelstahlrohre ist aufgrund der schwierigen Situation keine positive Trendwende am Markt erkennbar. Sinkende Margen werden daher einen verringerten Gewinn vor Steuern nach sich ziehen. Der Umsatz und das Ergebnis vor Steuern des Unternehmensbereiches Dienstleistungen werden 2010 voraussichtlich im Zusammenhang mit einer insgesamt höheren Beschäftigung der Stahlgesellschaften über den Resultaten des Vorjahres liegen. Im Zuge der sich belebenden Absatzmärkte sowie mit zunehmender Wirkung der eingeleiteten Maßnahmen zur Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung sollte sich die Ergebnislage des Unternehmensbereiches Technologie im Jahr 2010 gegenüber dem abgelaufenen Jahr merklich erholen. Dennoch wird für das Geschäftsjahr 2010 ein allerdings deutlich reduzierter Vorsteuerverlust erwartet. Da die Ausläufer der Finanzkrise auch noch im laufenden Jahr zu spüren sind und zu nervösen Ausschlägen relevanter Absatz- und Beschaffungsmärkte führen, kann für das Geschäftsjahr 2010 naturgemäß kein verlässlicher quantifizierter Ausblick hinsichtlich Umsatz und Ergebnis des Salzgitter-Konzerns gegeben werden. Für die meisten Konzerngesellschaften ist allerdings eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage absehbar. Die beschäftigungsbedingte Erholung der Stahlgesellschaften sollte dabei für eine Teilkompensation erlösbedingt reduzierter Ergebnisse im Röhrenbereich sorgen. Nach einem verhaltenen Start in das erste Quartal 2010 gehen wir von einer daran anschließenden leichten Verbesserung der Ergebnisse ab dem zweiten Berichtsquartal aus, wobei sich die Zusammensetzung der Komponenten im Laufe der Zeit verändern könnte. Insgesamt dürften die Quartalsergebnisse bestenfalls knapp über Break-even rangieren. Wir erwarten für unseren Konzern daher ein positives Vorsteuerergebnis im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Allerdings bestehen nach wie vor erhebliche Risiken: Neben der absehbaren Verteuerung der Rohstoffkosten ist die Erholung der Stahl- und Maschinenbaumärkte weiterhin mit Unsicherheiten behaftet. Wie schon in den vergangenen Jahren weisen wir darauf hin, dass Chancen und Risiken aus aktuell nicht absehbaren Erlös-, Vormaterialpreis- und Beschäftigungsentwicklungen sowie Veränderungen von Währungsparitäten den Verlauf des Geschäftsjahres 2010 erheblich beeinflussen können. Die hieraus resultierende Schwankungsbreite des Konzernergebnisses vor Steuern kann – wie die aktuellen Ereignisse zeigen – ein beträchtliches Ausmaß sowohl in negativer als auch positiver Richtung annehmen. Die Dimension dessen wird deutlich, wenn man unterstellt, dass bei 10 Mio. t abgesetzten Stahlerzeugnissen der Unternehmensbereiche Stahl, Handel und Röhren im Schnitt 50 € Margenverlust pro Tonne bereits ausreichen, um 500 Mio. € jährliche Ergebnisvarianz zu verursachen. Die mittel- und langfristigen Aussichten werden für alle Konzerngesellschaften als vergleichsweise intakt betrachtet. Auf Grundlage einer sich fortsetzenden Markterholung insbesondere im Stahl- und Handelsbereich dürften Konzernumsatz und Vorsteuerergebnis im Jahr 2011 weiter ansteigen. Da zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine belastbaren Informationen über die künftige Entwicklung der relevanten Rahmenbedingungen zur Verfügung stehen, kann für das Geschäftsjahr 2011 kein quantifizierter Ausblick gegeben werden. |
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