Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Graduelle Erholung der Weltwirtschaft

Ausgehend von der internationalen Finanzkrise, erlebte die Weltwirtschaft im Winterhalbjahr 2008/2009 den dramatischsten Einbruch seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Absturz in die Rezession war so heftig, dass sogar die bisher extrem wachstumsstarken Schwellenländer zum Teil erhebliche Einbußen hinnehmen mussten. Die umfassenden finanziellen Stützungsmaßnahmen der Regierungen der Industrienationen zur Stabilisierung des Bankensektors verhinderten den Kollaps des globalen Finanzsystems und legten zugleich den Grundstein für eine Entspannung der Situation. Seit dem Frühjahr 2009 befindet sich die Weltwirtschaft auch dank der umfangreichen Konjunkturförderungsprogramme wieder auf Erholungskurs. Im Gegensatz zum Abschwung verlief die Belebung der einzelnen Märkte jedoch nicht synchron und nur wenig dynamisch. Insbesondere in den asiatischen Schwellenländern, in denen China als Haupttreiber anzusehen ist, zog die Nachfrage – auch hier gestützt von diversen Stimuli – relativ schnell wieder an. Die westlichen Industriestaaten erholten sich hingegen deutlich langsamer. Da nahezu überall die Aufstockung der extrem zurückgefahrenen Lagerbestände und die staatlichen Hilfsprogramme stützend wirkten, konnte zum Jahresende noch nicht von einem selbsttragenden Aufschwung ausgegangen werden. Mit – 0,8 % fiel im Jahr 2009 die Expansion der Weltwirtschaft erstmals seit 1946 negativ aus (2008: +3,6 %).

In der Europäischen Union stabilisierte sich die gesamtwirtschaftliche Aktivität Mitte des Jahres auf niedrigem Niveau. So legte das Bruttoinlandsprodukt im Sommer erstmals wieder leicht zu, wenn auch mit heterogenen Ausprägungen in den Mitgliedsländern: Während sich Spanien und Großbritannien noch in der Rezession befanden, avancierten Frankreich, Italien, vor allem aber Deutschland zum Träger der moderaten Erholung. Insgesamt schrumpfte 2009 die Wirtschaft der Europäischen Union um 4,0 % (2008: + 0,9 %). Hierzulande festigte sich die gesamtwirtschaftliche Leistung bereits im Frühjahr und gewann in der Folgezeit weiter an Boden, sodass der Abwärtstrend der Unternehmensinvestitionen wie auch der Exporte schließlich ein Ende fand. Aufgrund der hohen Abhängigkeit Deutschlands vom Außenhandel in Verbindung mit der negativen Entwicklung seiner Handelspartner brach das Bruttoinlandsprodukt trotzdem stärker ein als das der meisten anderen europäischen Länder. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich ein Rückgang um 4,8 % (2008: + 1,5 %).

Gesamtwirtschaftliche Indikatoren Deutschland

Gesamtwirtschaftliche Indikatoren Deutschland
1) Quelle: Statistisches Bundesamt
2) Quelle: Deutsche Bundesbank

Rezession der Weltwirtschaft trifft Stahlbranche mit voller Wucht

Parallel zur Rezession der Weltwirtschaft sank die globale Rohstahlproduktion im Jahr 2009 um 8 % auf 1,22 Mrd. t. Allein das starke chinesische Wachstum verhinderte einen noch schärferen Abschwung. Daneben steigerte nur Indien seinen Ausstoß. In den verbleibenden Regionen brach hingegen die Erzeugung um ein Fünftel ein – so stark wie noch nie zuvor in der Nachkriegsgeschichte. Mit – 29 % beziehungsweise – 35 % waren die Europäische Union (EU) und Nordamerika am stärksten betroffen. Der Blick auf den Jahresverlauf zeigt, dass sich die globale Produktion bereits zu Beginn wieder stabilisierte und anschließend stetig anzog. Ab dem Sommer war eine breit angelegte Erholung zu erkennen, in deren Folge sich auch die Rückstände gegenüber dem Vorjahr in der EU merklich reduzierten. Bei einer Rohstahlerzeugung von knapp 140 Mio. t betrug die durchschnittliche Kapazitätsauslastung der Werke jedoch weniger als 60 %. Das Ausmaß des Einbruchs zeigte sich auch in der regionalen Perspektive: Alle größeren EU-Teilmärkte verzeichneten während des vergangenen Jahres Produktionsrückgänge von mindestens 30 %. Ebenso ging die europäische Walzstahl-Marktversorgung (Lieferungen innerhalb der EU und Importe) im Berichtsjahr um rund ein Drittel auf rund 125 Mio. t zurück.

In Deutschland traf die Krise insbesondere die Kunden der heimischen Stahlindustrie, wie die Investitionsgüterbranchen, den Straßenfahrzeugbau und die Stahlrohrhersteller, mit voller Wucht. Darüber hinaus kam es zu einem ausgeprägten Lagerabbau, der die Auftragssituation der Stahlindustrie zusätzlich belastete. Infolgedessen verringerte sich der reale Stahlbedarf um rund ein Fünftel, und die Rohstahlproduktion sank auf knapp 33 Mio. t (– 28 %), das niedrigste Niveau seit den frühen 60er-Jahren. Allerdings fand – begünstigt durch steigende Auftragseingänge – im Jahresverlauf eine erhebliche Belebung statt. Die Rohstahlerzeugung stieg kontinuierlich bis auf annualisierte 40 Mio. t im vierten Quartal an; womit sich die Kapazitätsauslastung von unter 50 % auf zuletzt rund 70 % erhöhte. Eine wesentliche Ursache dafür war, dass die Stahlverarbeiter nach dem massiven Lagerabbau zu Jahresbeginn wieder mehr Material von den Erzeugerwerken abnahmen. Ungeachtet dessen verharrten die Auftragsbestände auch zum Ende der Berichtsperiode auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.

Rohstahlproduktion Welt

Rohstahlproduktion Welt

Nachfrageeintrübung bei gleichzeitiger Preiserosion im weltweiten Stahlhandel

Das krisengeprägte konjunkturelle Umfeld schlug sich merklich in den Geschäftsaktivitäten des globalen Stahlhandels nieder: So limitierten die signifikant verschärften Kreditvergabekonditionen zum Beispiel für die Automobilzuliefer- und Metallindustrie die Finanzierungsmöglichkeiten des Vorratsvermögens, sodass Warenbestände und Neubestellungen erheblich reduziert wurden. Weil darüber hinaus Warenkreditversicherer ihre Ausfallgarantien einschränkten, transferierte sich das Ausfallrisiko verstärkt auf den Stahlhandel.

In den Industrieländern mit intensivem Stahlverbrauch sowie hohem Exportanteil schrumpfte die Nachfrage am deutlichsten. Der Einbruch in Europa und auf dem nordamerikanischen Kontinent hatte zugleich auch Einfluss auf die Entwicklungs- und Schwellenländer, sodass die Folgen der Rezession weltweit zu spüren waren. Im Nahen Osten bedingte der Verfall des Ölpreises eine merkliche Eintrübung der Investitionstätigkeit. Ab dem vierten Quartal ließen sich – vor allem in China – erste Anzeichen einer Stabilisierung von Preisen und Absatzmengen erkennen, die allerdings nicht für alle Produkte gleichermaßen galt.

Die Entwicklung in Deutschland verlief nahezu parallel zum globalen Geschehen. Die noch im Vorjahr florierenden wichtigen Abnehmerbranchen des Stahlhandels wie die Bauindustrie und der Maschinenbau waren vom Abschwung stark betroffen. Im Maschinenbausegment wirkte sich der Rückgang der Ausfuhren aufgrund der starken Exportabhängigkeit besonders gravierend aus.

Rohrmarkt von Produktionsrückgängen in allen Produktsegmenten gekennzeichnet

Der ab dem dritten Quartal 2008 einsetzende, fast durchweg als dramatisch zu bezeichnende Rückgang der Auftragseingänge nahezu aller Industriezweige schlug ebenfalls auf die globale Stahlrohrproduktion durch. Insgesamt lag die Welt-Stahlrohrproduktion 2009 bei 105 Mio. t (– 17 % gegenüber dem Vorjahr) obwohl chinesische Rohrproduzenten die Menge sogar um 7 % auf 50 Mio. t steigerten. Die Nachfrage nach nahtlosen Stahlrohren war aufgrund stark gefallener Öl- und Gaspreise von ausbleibenden Bestellungen des Energiesektors beeinträchtigt; die Produktion sank damit auf nur noch 31 Mio. t (– 21 %). Trotz einer vergleichsweise guten Auftragslage einzelner Hersteller ging auch die Großrohrproduktion auf 14,5 Mio. t (– 22 %) zurück.

Stahlrohrproduktion Welt nach Herstellverfahren

Stahlrohrproduktion Welt nach Herstellverfahren
1) Hochrechnung
Die Erzeugungsmenge der EU-Stahlrohrhersteller fiel um nahezu ein Drittel auf knapp 12 Mio. t. Von diesen drastischen Volumenminderungen waren alle Produktsegmente betroffen; Präzisionsstahlrohre mussten die stärksten Einbußen verkraften.

Obwohl sich das Produktionsvolumen an Großrohren dank hoher Auftragsbuchungen aus dem ersten Halbjahr 2008 mit 1,1 Mio. t nahezu unverändert zeigte, konnte sich die deutsche Stahlrohrindustrie dem Abwärtstrend der Märkte ebenfalls nicht entziehen. Insgesamt fiel die Produktion in Deutschland um 25 % auf 2,9 Mio. t.

Maschinenbau im Jahresdurchschnitt um rund 25 Prozent eingebrochen

Nach einem längeren Aufwärtstrend geriet der deutsche Maschinenbau im Jahr 2009 in eine tiefe Rezession. Die stark exportorientierte Branche musste insbesondere in Westeuropa und Nordamerika hohe Absatzrückgänge hinnehmen. Auch die Wachstumsmärkte China und Indien entwickelten sich weniger dynamisch als in den Vorjahren. Nach Berechnungen des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V. (VDMA) erlitt der Wirtschaftszweig 2009 dramatische Einbußen bei den Auftragseingängen (– 38 %). Nachdem diese zu Jahresbeginn noch teilweise von Altaufträgen aufgefangen wurde, fiel die durchschnittliche Kapazitätsauslastung auf 70,7 % (2008: 88,9 %), der Produktionsrückgang betrug real knapp 25 %.

Der Abfüll- und Verpackungsmaschinenbau, der mit rund 90 % der Umsatzerlöse den Schwerpunkt des Unternehmensbereiches Technologie darstellt, verbuchte 2009 nach Jahren des kontinuierlichen Wachstums einen massiven Rückschlag. Die ungewisse wirtschaftliche Entwicklung sowie die infolge von Großakquisitionen finanziell angespannte Lage einiger Unternehmen der Bierbranche führten zu einer stark nachlassenden Investitionsbereitschaft der Nahrungsmittel- und Getränkeproduzenten: Neuanschaffungen wurden nur in seltenen, nicht aufschiebbaren Situationen getätigt; einlaufende Aufträge bezogen sich vor allem auf Ersatzinvestitionen und Serviceleistungen. Angesichts der gravieren den Unterauslastung verschärfte sich parallel hierzu der Preiskampf innerhalb des Wettbewerbsum felds.

Dies hatte für die Auftragslage der Abfüll- und Verpackungsmaschinenindustrie erhebliche Konsequenzen. So lag der vom VDMA ermittelte Auftragseingang der Branche 27 % unter dem des Vorjahres, infolge dessen fiel der Umsatz um 20 %. Dabei kamen alle Hersteller massiv in Bedrängnis. Im Gegensatz zu anderen Bereichen des Maschinenbaus zeigte sich bei der Getränketechnik jedoch kein strukturelles Absatzproblem. Das Volumen an verpackten Getränken wird laut Marktuntersuchungen renommierter Institute in den kommenden Jahren sogar weiter ansteigen. Die optimistischen Aussagen von Ausstellern und Besuchern der „drinktec 2009”, der „Weltmesse für Getränke- und Liquid Food Technologie” gaben ebenfalls Grund zur Annahme, dass die Maschinen- und Anlagenbauer der Abfüll- und Verpackungsmaschinenindustrie früher als die Gesamtbranche den Weg aus der Krise finden werden.

Die anderen im Unternehmensbereich Technologie vertretenen Spezialmaschinenbauer, wie die Schuhmaschinenindustrie, vor allem aber der Spritzgießmaschinenbau, fügten sich im abgelaufenen Jahr in das negative Bild des gesamten deutschen Maschinenbaus ein.
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