Unternehmensbereich Stahl
1) zum 1.1.2010 angepasste Definition (Ausweis inkl. Fertigmaterial SZFG); rückwirkend angepasst
2) inklusive Umsatz mit anderen Unternehmensbereichen
Die seit Mitte 2009 zu beobachtende Belebung der internationalen Stahlmärkte festigte sich im Berichtszeitraum
spürbar. So stieg die Rohstahlproduktion der 66 an den Weltstahlverband meldenden Länder von Januar
bis September auf 1,05 Mrd. t und rangierte damit nahezu 20 % über der Produktionsmenge des Vorjahres.
Obgleich alle Regionen zweistellige Wachstumsraten aufwiesen, erreichten nur Asien und der Mittlere Osten
höhere Werte als vor der Krise. China, das mittlerweile für fast die Hälfte der weltweiten Stahlproduktion steht,
zeigte im 9-Monats-Vergleich ein Wachstum von 12,7 %, hingegen blieb die im September hergestellte Stahlmenge
5,9 % unter der des Vorjahresmonats. Dieser Rückgang kann als Folge ausgelaufener lokaler Konjunkturprogramme
interpretiert werden und deutet auf eine verlangsamte Entwicklung der chinesischen Stahlkonjunktur
auf hohem Niveau hin. Dennoch prognostiziert der Weltstahlverband für 2010 einen Anstieg des sichtbaren
Stahlverbrauchs um 13,1 % auf den Rekordwert von 1,27 Mrd. t.
Nach dem unerwartet guten ersten Halbjahr hat sich der europäische Stahlmarkt in den Sommermonaten wieder abgeschwächt. Die seit April rückläufigen Auftragseingänge sprechen einerseits dafür, dass Lagereffekte und vorgezogene Käufe in Antizipation steigender Preise einen hohen Anteil an der sehr starken Nachfrage der ersten Monate des Jahres hatten. Andererseits spiegeln sich aber hier auch saisonale Effekte wider. Die Eintrübung bei den Auftragseingängen manifestierte sich zuletzt auch in der Roh- und Walzstahlproduktion. Seit Juni notiert die Rohstahlerzeugung in der Europäischen Union rund 9 % unter dem hohen Level der ersten fünf Monate des Jahres. Insgesamt wurden 130 Mio. t Rohstahl produziert, was gegenüber den ersten drei Quartalen 2009, die den Höhepunkt der Krise markierten, einer Zunahme von einem Drittel entspricht. Der Erholungsprozess bei den deutschen Stahlverarbeitern hat deutlich an Schwung und Breite gewonnen. Mit Ausnahme der Bauindustrie und des Stahl- und Schiffbaus weisen alle wichtigen Abnehmerbranchen Zuwächse auf. Neben der anhaltend hohen Dynamik im Fahrzeugbau und bei den Metallwaren zog inzwischen auch die Erzeugung in den Segmenten Maschinenbau und Stahlrohrherstellung an. Entsprechend übersprang die Kapazitätsauslastung der deutschen Stahlwerke das vierte Quartal in Folge die 80-Prozent-Marke (84 %) und befindet sich damit auf einem wesentlich höheren Niveau als die der meisten anderen europäischen Länder. Zwischen Januar und September wurde mit 33 Mio. t nahezu 50 % mehr Rohstahl erzeugt als während des Vorjahreszeitraumes. Im bisherigen Jahresverlauf waren die internationalen Beschaffungsmärkte von der weltweiten Erholung der Stahlindustrie beeinflusst. Ein Großteil der Rohstoffe notierte daher annähernd wieder auf dem Niveau, das vor Einsetzen der Wirtschafts- und Finanzkrise vorherrschte. Auf dem Weltmarkt für Eisenerz vollzog sich innerhalb weniger Monate ein Paradigmenwechsel: Die drei größten Eisenerzproduzenten VALE, BHP Billiton und Rio Tinto beendeten das mehrere Jahrzehnte geltende System jährlicher Verträge. Seit April 2010 erfolgt die Bepreisung von Eisenerz weitestgehend auf Quartalsbasis. Eine nennenswerte Ausnahme bildet lediglich ein europäischer Pelletproduzent, der mit einigen Großkunden Jahrespreisvereinbarungen getroffen hat. Die starke Eisenerznachfrage in Fernost, insbesondere aus China, hat Mitte April die Spotmarktpreise auf den bisherigen Höchststand von 186 USD/Trocken-Metrische-Tonne (dmt) CFR China getrieben. Nach einer Korrekturphase im Sommer stabilisierten sich die Preise auf einem Niveau von rund 140 USD/dmt. Der aus diesen Notierungen abgeleitete Preis der Referenzsorte Carajas Feinerz liegt im Durchschnitt des zweiten und dritten Quartals 2010 bei 139 USD/dmt FOB Brasilien und damit 109 % über dem letzten Jahresbenchmarktpreis. Analog zur Entwicklung auf dem Erzmarkt ist das tradierte Benchmark-Preissystem für Kokskohle ebenfalls entfallen. So bieten die größten Kokskohlenexporteure BHPBilliton und Teck Coal seit April nur noch Quartalspreise an, die im Zuge von Verhandlungen zwischen dem Marktführer BHPBilliton und asiatischen Großkunden festgelegt und auf den europäischen Markt übertragen werden. Das für das zweite und dritte Quartal 2010 fixierte Preisniveau beträgt durchschnittlich 213 USD/t FOB Australien; dies entspricht einer Anhebung des Vorjahrespreises um rund zwei Drittel. Die Änderung der Vertragsstrukturen der für die Salzgitter AG wichtigsten Rohstoffe Eisenerz und Kokskohle resultierte zunächst in einem Missverhältnis von nunmehr kurzfristig variablen Rohstoffkosten auf der einen und zum Teil langfristigen Absatzverträgen auf der anderen Seite. Dieser Herausforderung begegneten wir, indem wir sehr schnell, vollständig und konzernweit Transparenz über Einkaufs- und Verkaufsstrukturen unter den neuen Gegebenheiten schufen. Darauf aufbauend gelang es uns, für die Folgequartale eine nahezu ausgeglichene Relation zwischen den kontrahierten Mengen auf der Ein- und Verkaufsseite herzustellen: Auf der Beschaffungsseite konnten mehr als 50 % der Erzbezüge weiterhin mit Jahresverträgen abgesichert werden; auf der Absatzseite wurden die bestehenden Jahresverträge weitgehend durch Abschlüsse mit geringeren Laufzeiten ersetzt und somit das aus kurzfristigen Rohstoffpreisänderungen erwachsende wirtschaftliche Risiko minimiert. Die Entwicklung auf dem internationalen Seefrachtenmarkt glich in den vergangenen Monaten einer rasanten Berg- und Talfahrt. Anschließend an eine nachfragedominierte Marktphase Ende 2009 (rund 20 USD/t für die Benchmark-Relation Tubarao-Rotterdam) startete die Notierung auf einem Niveau von circa 15 USD/t in das neue Jahr. Nachdem die Raten zunächst weiter nachgaben, stiegen sie im Mai erneut auf knapp 18 USD/t an, um im Juli den bisherigen Tiefpunkt von 10 USD/t zu markieren. Der Spätsommer war von einer weltweiten Erholung der Raten auf den größten Handelsrouten gekennzeichnet. Zu Beginn des Jahres führte die ausgeweitete Stahlproduktion naturgemäß zu deutlichen Steigerungen bei den Stahlschrottpreisen, bevor rückläufige Bestellmengen ausländischer Verbraucher die Notierungen bis Juli wieder sinken ließen. Mit 730 Tt Schrott meldeten die Mitgliedswerke der Wirtschaftsvereinigung Stahl im August die niedrigste Zukaufsmenge des Jahres (Durchschnittswert 2010: 902 Tt monatlich). Gründe hierfür waren ferienbedingte Stillstände sowie die mangelnde Verkaufsbereitschaft des Handels. Dieser zeigte sich in Erwartung weiter steigender Schrottpreise trotz Erhöhungen von 20 €/t bis 35 €/t immer weniger gewillt, zu unveränderten Konditionen Verträge zu schließen. Ähnlich stellte sich die Situation in den angrenzenden Nachbarländern dar. Die Nachfrage nach Qualitätsschrott wurde zusätzlich dadurch angeregt, dass viele Elektrostahlwerke – sofern möglich – ihre Produktion auf höherwertige Stahlqualitäten ausrichteten, um so von der guten Auftragslage der europäischen Flachstahlhersteller zu profitieren. Folglich stiegen die Preise im September je nach Sorte und Region um 15 €/t bis 25 €/t. Die internationalen Metall- und Legierungsmärkte stellten sich in den ersten neun Monaten des Jahres für die einzelnen Materialgruppen sehr unterschiedlich dar: Nachdem die Preise von Massen- und Edellegierungen aufgrund der verbesserten Wirtschaftslage und des weltweit verstärkten Bedarfs an Rohstoffen im ersten Halbjahr kräftig anzogen, zeigten sie sich im dritten Quartal recht volatil. Die börsennotierten Metalle Zink, Nickel, Kupfer und Aluminium hingegen gaben von April bis Juni 2010 sichtlich nach, um sich während des dritten Quartals 2010 wieder deutlich zu erhöhen. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich der Unternehmensbereich Stahl wie folgt: Der konsolidierte Auftragseingang und -bestand überschritt die Tonnage der ersten neun Monate 2009. Dementsprechend rangierten die Rohstahl- (+41 %) und Walzstahlproduktion (+40 %) der Stahlgesellschaften merklich über den Mengen des Vorjahres. Die Versandleistung (+37 %) zog ebenfalls spürbar an und bedingte einen deutlich oberhalb der Vergleichswerte liegenden Segment- (+29 %) und Außenumsatz (+36 %).
Infolge der extremen Rohstoffkostenentwicklung, einer schwachen Auslastung im Träger- und Spundwandbereich
sowie wegen 17,6 Mio. € Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen der Peiner Träger GmbH (PTG)
blieb das Resultat negativ. Der Vorsteuerverlust von 67,6 Mio. € (9 Monate 2009: 213,4 Mio. €) stellt dennoch
gegenüber dem Vorjahreszeitraum eine spürbare Verbesserung dar.
Weiterführende Erläuterungen zu den Einzelgesellschaften:Bis zum Ende des ersten Quartals stand der Quartoblech-Markt vor allem erlösseitig unter Druck. Der anschließend einsetzende Aufwärtstrend bei Mengen und Preisen hielt bis in den Mai hinein an, jedoch ließ die Anfragetätigkeit anschließend saisonbedingt wieder nach. Daraufhin versuchte vor allem der Stahlhandel seinen Absatz über Preiszugeständnisse aufrecht zu erhalten. Da viele Werke in erster Linie im Grundgütenspektrum nicht ausgelastet waren, gelang es lediglich bei extremen Abmessungen nennenswerte Preiserhöhungen zu erzielen. Im oberen Dickenbereich erwies sich daher ein Teilprojekt des Investitionsprogramms „SZS 2012“ als vorteilhaft, das Mitte des Jahres erfolgreich in Betrieb ging. Im dargestellten Marktumfeld stieg die Auftragseingangsmenge der Ilsenburger Grobblech GmbH (ILG) auf eine auskömmliche Höhe, der Orderbestand blieb hingegen leicht unterhalb der Vorjahrestonnage. Walzstahlerzeugung und Absatzmenge kamen im Betrachtungszeitraum deutlich über dem schwachen und zum Teil von Kurzarbeit geprägten Vergleichszeitraum aus. Der Umsatz wurde vor allem von der höheren Absatzmenge gestützt, verfehlte aber aufgrund des insgesamt relativ schwachen Erlösniveaus den Vorjahreswert. Wegen zugleich erheblich stärker gestiegener Vormaterialkosten wurde ein negatives Ergebnis verbucht. Dieses fiel dank weiterer Anstrengungen zur Kostenreduzierung und trotz geplanter Wartungsstillstände im dritten Quartal weitaus geringer aus als in den Vorquartalen. Die Impulse aus der europäischen Bauindustrie blieben während des gesamten Jahres äußerst gering. Zu Anfang des Jahres belebte sich zunächst die Profilstahl-Nachfrage des lagerhaltenden Handels, bevor ab Mitte Mai die Orderaktivitäten wieder nachließen. Hintergründe hierfür waren die geringe Endnachfrage, kurze Lieferfristen der Produzenten sowie eine rückläufige Schrottpreisentwicklung. Um Abwertungsverlusten vorzubeugen, reduzierten die lagerhaltenden Händler ihre Bestände, sodass die bereits gedrosselten Kapazitäten der Trägerproduzenten zu Beginn des dritten Quartals wiederum nicht gefüllt wurden. Im August zeichnete sich kurzzeitig eine leichte Belebung der Nachfrage ab, da der Handel als Folge steigender Schrottkosten höhere Werksabgabepreise erwartete. Jedoch litten die Profilstahlhersteller im September bereits wieder deutlich unter der allgemeinen Nachfrageschwäche. In diesem Umfeld erreichte der Auftragseingang der Peiner Träger GmbH (PTG) nahezu die Tonnage des Vorjahres, während der Orderbestand hinter dem der ersten neun Monate 2009 zurückblieb, die noch von unternehmensinternen Sondereffekten beeinflusst waren. Rohstahlerzeugung, Walzstahlproduktion, Versand und Umsatz rangierten merklich oberhalb der Volumina der krisengeprägten Vergleichsperiode. Die überwiegend schrottpreisbedingt niedrigere Marge sowie 17,6 Mio. € Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen führten im Berichtszeitraum zu einem negativen Ergebnis. Die nach wie vor sehr schwachen Märkte sowie die gedämpfte Investitionstätigkeit für öffentliche Infrastrukturprojekte wie Häfen und Wasserstraßen erlaubten nur eine zeitweise Auslastung der Produktionsanlagen der HSP Hoesch Spundwand und Profil GmbH (HSP). Bei gesunkenen Durchschnittserlösen ist der im Vergleich zum Vorjahr gestiegene Umsatz ausschließlich auf eine leicht höhere Absatzmenge zurückzuführen. Die mangelhafte Beschäftigungslage machte es unmöglich ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen. Im dritten Quartal hielt der Aufwärtstrend des Versands bei der Salzgitter Bauelemente GmbH (SZBE) weiter an. Infolgedessen wurde die Vergleichstonnage an Dach- und Wandelementen überflügelt und der Umsatz machte die Ende März bestehenden Rückstände mehr als wett. Die Berichtsperiode wurde mit einem gegenüber Vorjahr erheblich verbesserten positiven Resultat beendet. Einhergehend mit dem anhaltenden Aufwärtstrend der Automobilhersteller wies der Geschäftsverlauf der Salzgitter Europlatinen GmbH (SZEP) ebenfalls eine Erholung auf. Diese spiegelte sich in einer spürbar ausgeweiteten Absatzmenge und höheren Umsatzerlösen wider. Gegenüber der Berichtsperiode des Vorjahres konnte das positive Ergebnis ebenfalls sichtlich gesteigert werden. |
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