Für viele hat die Stahlindustrie das Bild eines rein nationalen oder sogar regionalen Geschäfts. Selbst die Salzgitter AG wird im Kopf vieler Menschen nur mit der Stadt Salzgitter oder mit dem Land Niedersachsen in Verbindung gebracht. Auch wenn es mir bewusst war, dass der Konzern in vielen Ländern weltweit vertreten ist, war diese Erkenntnis zunächst nur auf theoretischer Ebene. In meinem beruflichen Alltag als Konzerntrainee im Personalbereich bestand die internationale Komponente leidglich in mehreren auf Englisch geführten Vorstellungsgesprächen, einigen Telefonaten nach Mexiko oder in die USA sowie Rechercheaufgaben zu diversen arbeitsrechtlichen Aspekten in unterschiedlichen Ländern.

2 in ShanghaiUmso aufgeregter war ich deshalb vor dem Start meiner zweimonatigen Auslandsstation in Shanghai. Auch wenn ich bereits in drei unterschiedlichen Ländern gelebt habe und mein Bekanntenkreis sich über viele Nationalitäten erstreckt, war ich mir sicher, dass die 24-Millionen-Stadt meine Flexibilität und Anpassungsfähigkeit herausfordern wird.

Das Gefühl in einem Land zu sein, in dem selbst der Besuch eines Restaurants zu einer kleinen interkulturellen Erfahrung wird, ist unbeschreiblich. Kein ausgesprochenes Wort wird verstanden, und geschriebener Text wird eher als ein Kunstwerk anstatt als eine Schriftzeichensammlung wahrgenommen. Die Menschen wirken eben sehr anders, zumindest bevor man sie kennenlernt und die vielen Gemeinsamkeiten entdeckt. Diese Mischung aus diversen Eindrücken hat mich fasziniert und wie bei einem Kind waren meine ersten Schritte zunächst etwas scheu, wurden aber schnell immer größer und selbstsicherer.

In dieser anfangs ungewöhnlichen Umgebung gab es eine kleine Insel, die sofort sehr vertraut wirkte. Hinter Glastüren im 16. Stockwerk eines Hochhauses im Zentrum von Shanghai steht das KHS-Logo in der bekannten dunkelblauen Farbe. Im Großraumbüro laufen Diskussionen auf Mandarin, Deutsch und English rund um die gewöhnlichen Themen: Personal, Vertrieb, Service und Finanzen, viele davon am Telefon über sechs Zeitzonen hinweg. Ich war auf einmal von vielen unterschiedlichen Menschen umgeben, mit denen ich aber im gleichen Boot saß. Selbst das deutlich anders ausgesprochene „Salzgitter“ kam oft im Gespräch auf und ich bekam gelegentlich Fragen zum Konzernhauptsitz von neugierigen neuen Mitarbeitern. In diesem Moment wurde das Bewusstsein über die Internationalität des eigenen Arbeitgebers sofort um eine greifbare, praktische Dimension erweitert. Und jetzt, bereits sieben Monate vor Ende meines Traineeprogramms bin ich gespannt, wohin es danach gehen wird. Eins ist aber sicher: der Konzern hat viele interessante Gesichter und viel anzubieten, von den Hochöfen in Salzgitter bis zu den Hochhäusern in Shanghai.Shanghai