Flachstahl-Produkte aus Salzgitter mit deutlich abgesenktem CO2-Footprint aus Elektrostahlerzeugung

05.05.2021 | Artikel der Salzgitter Flachstahl GmbH


Ein weiter steigendes Umweltbewusstsein im Markt führt zu einem Anwachsen der Kundenanfragen nach Stahlprodukten, die einen möglichst geringen CO2-Footprint aufweisen.
Langfristig wird die Salzgitter Flachstahl (SZFG) durch das SALCOS-Innovationsprojekt ihre Stahlproduktion auf eine klimafreundliche, weil CO2-arme Produktionsroute umstellen.

Um schon jetzt die Nachfrage nach Walzprodukten mit verringertem CO2-Footprint bedienen zu können, wird aktuell daran gearbeitet, unter Nutzung der im Konzern bereits vorhandenen Ressourcen den CO2-Ausstoß bei der Stahlerzeugung zu reduzieren.
Das bei der Peiner Träger GmbH (PTG) in Peine verwendete Stahlerzeugungsverfahren über den Elektrolichtbogenofen hat gegenüber der in Salzgitter klassisch verwendeten Hochofen- Blasstahlwerksroute den Vorteil, dass der für die Brammenerzeugung benutzte Einsatzstoff zu 100% aus Schrott besteht. Im Schrott ist das Eisen bereits in metallischer Form vorhanden und muss nicht erst, wie beim Erzeinsatz im Hochofen, vom gebundenen Sauerstoff befreit werden. Die Entfernung des Sauerstoffs, fachlich Reduktion genannt, erfolgt im Hochofen durch Kohlenstoff. Durch den Einsatz der Elektrolichtbogenroute lässt sich die für die Herstellung der Bramme entstehende Menge an CO2 im Vergleich zur Hochofenroute etwa auf ein Viertel reduzieren.

In enger Teamarbeit zwischen der Peiner Träger und der Salzgitter Flachstahl wurde im 2. Halbjahr 2020 ein Konzept zur Belieferung der SZFG mit Peiner Brammen aus Elektrostahl erarbeitet, um hieraus Flachstahl mit deutlich reduziertem CO2-Footprint erzeugen zu können.

Nach der Ertüchtigung des Gießequipments zur Brammenerzeugung konnten bereits im November 2020 erste Brammen nach Salzgitter geliefert werden.

Das Peiner Stahlwerk ist für die Erzeugung von Rohstahl für Langprodukte ausgelegt. Somit sind Einsatzstoffe sowie Schmelz- und Gießaggregate nicht mit denen im Stahlwerk der Salzgitter Flachstahl vergleichbar. Darüber hinaus steht bei der PTG nur eine begrenzte Produktionskapazität zur Brammenerzeugung für das Schwesterwerk in Salzgitter zur Verfügung, da der Peiner Rohstahl in erster Linie zur Versorgung der dortigen Trägerstraßen benötigt wird.

Deshalb kann die PTG aktuell lediglich eine eingeschränkte Brammenmenge für die Salzgitter Flachstahl bereitstellen. Mit der vorhandenen Gießausrüstung lassen sich Brammen in 250 mm Dicke und in Breiten von 800 – 1100 mm erzeugen. Das ermöglicht, Warmbänder mit Breiten von 850-1080 mm darzustellen.

Um in die umweltfreundliche, CO2-arme Stahlproduktion auf Basis von Peiner Brammen einzusteigen, wurde zwischen der Peiner Träger und Salzgitter Flachstahl eine Auswahl an Güten erarbeitet, mit der bereits jetzt ein ausgewähltes Segment der Flachstahlproduktion bedient werden kann. Aufgrund der schmelzmetallurgischen Ausrichtung des Elektrostahlwerkes der PTG auf Langstahlprodukte ist eine vollständige Umsetzung des Produktspektrums der Salzgitter Flachstahl derzeit nicht realisierbar.
Zurzeit werden sowohl weiche als auch einige mikrolegierte Stähle aus Peiner Brammen erzeugt.
Im Rahmen der Prozess- und Produkteinführung werden neu erzeugte PTG-Güten nach jedem Produktionsschritt in Salzgitter inspiziert und erst nach Gutbefund an die nächste Prozessstufe weitergegeben.

Die ersten CO2-armen Produkte werden bereits aktuell beim Kunden verarbeitet, und aus den bisher gewonnenen Erkenntnissen wird schrittweise das darstellbare Gütenportfolio der hier vorgestellten CO2-armen Fertigungsroute erweitert.