Page 8 - Stil 02 2017
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Das neue Daten-Universum
Eine deutsche Initiative strebt nach Standards für den Datenverkehr in der globalen Industrie – unter Beteiligung der Salzgitter AG
Der Urknall des digitalen Zeitalters
Überall entstehen heute Daten. In jeder Maschi­ ne, an jedem Arbeitsplatz und in jeder Firma. Sie können aber erst dann ihre volle Kra  entwickeln, wenn Unternehmen und Branchen sie unterei­ nander tauschen und miteinander verknüpfen. Was nutzt es dem Betrieb, der auf eine Lieferung wartet, wenn das Navi des Spediteurs die genaue Ankun szeit errechnet, aber diese Information nicht an den Empfänger sendet?
Im Moment weiß leider noch niemand genau, wie der Datenverkehr einmal im großen Rahmen funktionieren soll. Nach welchen Regeln die Da­ ten welche Wege einschlagen können, ohne dass sie oder die Unternehmen Schaden nehmen. Die Industrie steht hier noch am Anfang. Der Urknall der Digitalisierung liegt erst eine Sekunde zurück, überall ballen sich die Datenmassen der Institu­ tionen, Branchen und Firmen zu einem Big­Data­ Universum zusammen, dessen endgültige Gestalt aber noch niemand kennt.
Der Industrial Data Space
Und so wie im Universum der Raum und Natur­ gesetze wie die Schwerkra  die Interaktion zwischen Galaxien, Sternen und Himmelskörpern regeln, benötigt die Industrie im Zeitalter der Digitalisierung einen Raum und Regeln für den Datenverkehr: den „Industrial Data Space“.
So heißt ein Projekt, das Wirtscha , Politik und Forschung Ende 2014 ins Leben gerufen haben. Die Initiative ist als Forschungsprojekt der Fraunhofer­Gesellscha  sowie als Verein (s. u.) organisiert und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Das Projekt will einen sicheren Datenraum scha en – mit Standards und einem allgemeingültigen Ord­ nungsrahmen für den sicheren Datenaustausch.
Datensicherheit und Datensouveränität
Niemand gibt seine Daten gern unkontrolliert weiter. Jeder möchte sichergehen, dass seine Daten den richtigen Empfänger unverfälscht erreichen, dieser die Daten lesen, aber nicht missbrauchen kann und dass möglichst viele Informationen verbunden werden, von denen alle Geschä spart­ ner pro tieren. Deswegen zielt der Industrial Data
Space nicht nur auf Datensicherheit, sondern auch auf Datensouveränität. Gemeint ist: Die Eigentü­ mer der Daten behalten im Rahmen ihrer eige­ nen Datenschutzregeln stets die Kontrolle über ihre Daten und geben sie nur an zerti zierte und vertrauenswürdige Partner weiter. Dafür soll der Industrial Data Space die Regeln entwickeln und festlegen. Aber die deutsche Initiative will noch mehr: Ihre Absicht ist es, auch für die internatio­ nale Wirtscha  Standards zu liefern.
Erstes Etappenziel der Initiativen ist es derzeit, eine „Referenzarchitektur“ für den Industrial Data Space zu scha en. So nennt man in der Informatik ein Modellmuster, also quasi eine Vorlage, an der sich spätere Lösungen für den Datenverkehr in der Umsetzung orientieren können.
63%
der Unternehmen tauschen
regelmäßig bis
 ächendeckend Daten aus
(laut einer Studie der Wirtscha sprüfungsgesellscha  Pricewaterhouse Coopers (PWC) 2017)
Die Industrial Data Space Association
Ergänzend zum Forschungsprojekt wurde im Januar 2016 der Verein „Industrial Data Space Association“ gegründet. In dieser Vereinigung ha­ ben sich 70 international agierende Unternehmen aus mehreren Ländern zusammengeschlossen. Sie bilden z. B. Arbeitsgruppen, bringen ihre Vor­ schläge und Erfahrungen in die Entwicklung der Referenzarchitektur ein und erproben diese durch Anwendungsfälle aus ihrem Geschä salltag. Dabei gibt es drei Schwerpunkte: Logistik, Produktion und Kundenprozesse.
Mitglieder der Association sind u. a. Audi, Bayer, Bosch, SAP, Siemens, Volkswagen – und die Salzgitter AG.
Der Verein:
Industrial Data Space e.V. info@industrialdataspace.org www.industrialdataspace.org
Das Forschungsprojekt
http://s. g.de/ industrialdataspace
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Foto: ©kseniyaomega - stock.adobe.com


































































































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