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Arno Schembs (54) reagiert belustigt auf unsere Frage. Der Winzer aus der rheinhessischen Stadt Worms arbeitet seit 30 Jahren mit Vollerntern und hat deren Entwicklung miterlebt. Er kennt noch die ersten Geräte, die die Trauben brachial von den Reben schlugen und die Stöcke in Mitleidenscha  zogen. Heute rütteln die Maschinen die Stöcke wie einen Apfelbaum, bis die Fliehkra  die Trauben vom Stielgerüst trennt. Sie fallen auf ein Becher- band, das sie in den Behälter befördert.
Ist ein von der Maschine geernteter Wein so gut wie ein von Hand gelesener? „Im Idealfall ja“, sagt Schembs. „Allerdings erkennen die Vollernter we- der unreife noch verfaulte Trauben.“ Die müssen bei hochwertigen Weinen vorsorglich per Hand ausgelesen werden. „Doch es ist nur noch eine Fra- ge der Zeit, bis die Maschinen auch das können“, sagt er. „Die Entwickler arbeiten schon an opti- schen Sortierern, die Farbunterschiede erkennen und abweichende Trauben aussondern.“
Das größte Plus der Vollernter bleibt die Schnel- ligkeit. Wenn das Wetter die Handlese erschwert und dem Winzer die Zeit davonläu , wird von Hand vorgelesen – und die Maschine erledigt den Rest. Manchmal ö net sich auch das Erntefenster sehr plötzlich. Eiswein zum Beispiel muss gelesen werden, sobald die Temperatur erstmals unter mi- nus sieben Grad fällt. Im Extremfall bleiben dem Winzer dafür nur drei bis sechs Stunden Zeit.
Ein Traubenvollernter kostet zwischen 300.000 und 800.000 Euro – und wird nur vier Wochen im Jahr gefahren. So werden diese Landmaschinen auch überwiegend von Lohnunternehmen ange- scha  und betrieben. Auch Schembs mietet nur.
Für seine besten Weine verzichtet er dagegen ganz auf Maschinen – sogar auf Pressen und Pumpen. Seine „Schlossabfüllung“ wird mit Füßen gequetscht und rei  im Keller des Herrnsheimer Schlosses. Hier landen nur die besten Jahrgänge, der letzte stammt von 2011, den 2009er bewerte- te der Weinführer „Eichelmann 2013“ als „beste weiße Cuvée Deutschlands“. Wurde der von einer Maschine gelesen? Der Winzer lächelt: „Der 2022er wird es bestimmt.“
Oben: Schmalspurschlepper mit Mulcher und einer seit- lichen Scheibe, die an einen Dosenö ner erinnert: Diese sogenannte Rust-Rollhacke lockert den Boden zwischen den Rebstöcken auf. Links: Weißwein wird am besten in solchen Metalltanks – Arno Schembs in seinem Weinkeller. Links unten: Die seltsam schmale Gestalt der Vollleser erklärt sich aus dem geringen Abstand zwischen den Reb- stockreihen, der nur zwei Meter beträgt
Wellblech im Weinberg: Auch dieser historische Citroën-Transporter (Baujahr 1974) gehört zum erweiterten Landmaschinen-Fuhrpark des Winzers. Im Hintergrund das Schloss im Wormser Stadtteil Herrnsheim, in dessen Keller die ohne Maschinen gekelterten Chateau-Weine reifen. Info: www.chateau-schembs.de
LANDMASCHINEN 17


































































































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