Hendrik Wüst, Olaf Lies und Christiane Benner zu Gast bei HKM

19.10.2026 | Salzgitter AG


  • Zwei Ministerpräsidenten sowie die IG-Metall-Vorsitzende informieren sich in Duisburg über die Transformationsstrategie der Salzgitter AG
  • Der prominente Besuch besichtigt im HKM-Werk das Baufeld für Deutschlands größten Elektrolichtbogenofen
  • Ein starkes Signal für den Standort Duisburg als Teil des Salzgitter-Konzerns und für eine starke Stahlindustrie in Deutschland

Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH (HKM) haben am Montag prominenten Besuch empfangen: Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst, der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies und Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, haben sich am Standort Duisburg-Hüttenheim über die Transformationsstrategie der Salzgitter AG informiert. HKM ist seit Juli eine 100-prozentige Tochter des Salzgitter-Konzerns, der sich unter anderem mit seinem SALCOS®-Programm bei der Salzgitter Flachstahl GmbH ehrgeizige Ziele für die Reduzierung seiner CO2-Emissionen gesetzt hat. In Duisburg soll ab 2029 eine Umstellung von einer Hochofen- auf eine Elektrostahlroute dazu beitragen, dass der Salzgitter AG die Transformation hin zu einer CO2-reduzierten Stahlproduktion gelingt.

Begleitet wurden Wüst, Lies und Benner bei ihrem Rundgang über das HKM-Gelände von Gunnar Groebler, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG, sowie von Andreas Betzler, Sprecher der Geschäftsführung der HKM, und weiteren Mitgliedern der HKM-Geschäftsführung. Zum Auftakt erhielten die Gäste einen kurzen Überblick über das Unternehmen; ihnen wurde von der HKM-Geschäftsführung die wirtschaftliche Lage des integrierten Hüttenwerks, die heutige Hochofenroute, die Hafen- und Werksinfrastruktur am Rhein sowie die Situation von Beschäftigung und Wertschöpfung am Standort erläutert.

Anschließend machten sich die Gäste vor Ort ein Bild vom Baufeld des künftigen Elektrolichtbogenofens. Die Geschäftsführung erläuterte den Zuschnitt des Baufelds, die anstehenden Bauabschnitte sowie die Ertüchtigung der Hafen- und Logistikinfrastruktur, deren Bedeutung mit dem Wechsel zur Elektrostahlroute und dem steigenden Schrotteinsatz deutlich zunimmt. Die Anlage wird mit einem Abstichgewicht von 285 Tonnen und einer Kapazität von bis zu 2,5 Millionen Tonnen der größte Elektrolichtbogenofen Deutschlands und der zweitgrößte in der Europäischen Union und soll ab 2029 CO2-reduzierten Stahl erzeugen. Sie kann flexibel mit Stahlschrott und Eisenschwamm beschickt werden. Die Umsetzungsphase des Bauprojekts läuft seit August 2026, die Fertigstellung des Elektrolichtofenbogens ist für 2029 vorgesehen. Bund und Land Nordrhein-Westfalen fördern das Vorhaben mit 200 Millionen Euro.

Thema des Austauschs war auch die Beschäftigungssituation am Standort. Der Rahmen für den personellen Übergang ist zwischen Unternehmen, Betriebsrat und IG Metall bereits vereinbart. Erörtert wurden daher die Qualifizierungsangebote, mit denen Beschäftigte in Duisburg auf die Anforderungen der Elektrostahlroute vorbereitet werden, die Personalbedarfe für den späteren Betrieb des Elektrolichtbogenofens sowie die zeitliche Verzahnung zwischen der auslaufenden Hochofenroute und dem Hochlauf der neuen Anlage. Die Arbeitnehmervertretung machte deutlich, dass Verlässlichkeit in dieser Übergangsphase entscheidend für die Akzeptanz in der Belegschaft ist.

Gunnar Groebler, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG, bezeichnete den gemeinsamen Besuch als „ein starkes Signal für den Standort Duisburg und für die Stahlindustrie in Deutschland". Er ordnete das Vorhaben in die Konzernstrategie ein: „Unser Programm SALCOS® ruht auf mehreren Säulen. In Salzgitter ersetzen wir Kohle zunächst durch Erdgas und langfristig durch grünen Wasserstoff. Dafür bauen wir Direktreduktionsanlagen und Elektrolyse auf. Die erste von drei SALCOS®-Stufen mit einem Elektrolichtbogenofen wird in Salzgitter im nächsten Jahr abgeschlossen sein. In Duisburg entsteht keine Direktreduktion – hier entsteht der größte Elektrolichtbogenofen Deutschlands. Dieser kann Schrott und Eisenschwamm verarbeiten und ist damit anschlussfähig an das, was wir in Salzgitter aufbauen. Zwei Bundesländer, zwei Standorte, unterschiedliche Rollen, aber eine Strategie." Zugleich warb Groebler dafür, dass Bund und Länder verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen und wettbewerbsfähige Energiepreise für energieintensive Industrien sicherstellen: „Investitionen dieser Größenordnung tragen sich nur, wenn Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit zusammen gedacht werden."

Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Die Stahlindustrie gehört zur DNA von Nordrhein-Westfalen. Bei HKM am Standort Duisburg wird das sichtbar. Wo heute noch Baufeld ist, entsteht in wenigen Jahren der bundesweit größte Elektrolichtbogenofen. Nach langer Unsicherheit hat der Standort damit wieder eine konkrete Zukunftsperspektive. Wir wissen aber auch, dass der Umbau für viele Beschäftigte mit schmerzhaften Veränderungen verbunden ist. Umso wichtiger ist eine sozialverträgliche Umsetzung.
Bund und Land unterstützen den Neubau mit insgesamt 200 Millionen Euro. Damit schaffen wir eine wichtige Grundlage, um Stahlproduktion und industrielle Wertschöpfung in der Region zu erhalten. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an und auf Rahmenbedingungen, die klimafreundlichen Stahl wettbewerbsfähig machen: bezahlbarer Strom, fairer internationaler Wettbewerb und verlässliche Nachfrage nach grünem Stahl. Dafür setzen wir uns in Berlin und Brüssel ein. Duisburger Stahl hat unser Land stark gemacht und er wird unser Land auch in Zukunft stark machen.”

Ministerpräsident Olaf Lies: „Dass hier in Duisburg auch in Zukunft Stahl produziert wird, war alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Aber dieser Standort hat hier nun eine neue Perspektive. Denn für mich ist klar: das Ergebnis von Klimaschutz darf niemals bedeuten, dass wir am Standort Deutschland keinen Stahl mehr produzieren. Im Gegenteil: Unser Ziel ist klimafreundlicher Stahl, der hier wettbewerbsfähig hergestellt wird und mit dem wir hier Wertschöpfung und gute Industriearbeitsplätze sichern. Zugleich ist das ein Beitrag zu Unabhängigkeit und Resilienz. Denn wir bleiben in der Lage, unseren Stahl weiter selbst zu erzeugen. In Salzgitter geht das Unternehmen mit SALCOS® voran, Bund und Niedersachsen unterstützen schon die erste Ausbaustufe mit rund 1,3 Milliarden Euro. Mit dem Elektrolichtbogenofen, der hier entsteht, wird dieser Weg jetzt auch in Duisburg konkret. Die Zukunft des Stahls endet nicht an Ländergrenzen. Damit sie gelingt, brauchen die Unternehmen wettbewerbsfähige Energiepreise und verlässliche politische Rahmenbedingungen.“

Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall: „Der eingeschlagene Weg hin zu einer klimaneutralen Stahlproduktion ist richtig. Er eröffnet eine Zukunftsperspektive für HKM, die Beschäftigten, die Stahlstadt Duisburg und den Industriestandort Deutschland. Diese ist auch das Ergebnis des großen Einsatzes der Kolleginnen und Kollegen, des Betriebsrats und der IG Metall.
Mit der vollständigen Übernahme von HKM hat die Salzgitter AG wirtschaftlichen und unternehmerischen Mut bewiesen und Verantwortung für den Standort übernommen. Gleichzeitig bleibt die bittere Wahrheit, dass der notwendige Umbau mit dem Abbau vieler Arbeitsplätze verbunden sein wird. Umso wichtiger ist es, die Transformation sozial verantwortlich zu gestalten. Die Beschäftigten müssen im Mittelpunkt stehen; mit guter und sicherer Arbeit, Qualifizierung und starker Mitbestimmung.
Klar ist aber auch: Investitionen in neue Anlagen allein reichen nicht. Klimafreundlicher Stahl muss anschließend hier wettbewerbsfähig produziert und verlässlich nachgefragt werden können. Dafür brauchen wir einen echten und dauerhaft wirksamen Industriestrompreis und effektiven Schutz vor unfairem Wettbewerb sowie klare Regeln, dass klimafreundlich produzierter europäischer Stahl bei öffentlichen Aufträgen zum Zuge kommt. Dafür müssen sich Berlin, Brüssel und die Unternehmen einsetzen.“

Andreas Betzler, Sprecher der Geschäftsführung der HKM, dankte den Gästen für den Besuch: „Der Elektrolichtbogenofen ist die konkrete Zukunftsperspektive dieses Standorts – und zugleich unser Beitrag zu einem Ganzen, das größer ist als HKM allein. Wir bringen in die Strategie der Salzgitter AG ein, was diese Hütte ausmacht: metallurgisches Können, eine erfahrene Mannschaft und eine leistungsfähige Infrastruktur am Rhein. Wir bauen im laufenden Betrieb und auf bestehendem Gelände. Das verlangt der Belegschaft viel ab, deshalb ist uns die verlässliche Umsetzung des vereinbarten Übergangs genauso wichtig wie der Bautermin."


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www.hkm.de

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